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2. Wer steht da vorne eigentlich? Steht da vorne jemand?

- Zur Rolle der Lehrenden / Moderierenden-

Erwachsene Menschen sind unbelehrbar und doch lernfähig. Diejenigen, die ein Seminar oder eine Veranstaltung begleiten, müssen sich ihrer Rolle sehr bewusst sein. Die durch die Lehrperson vermittelten Werte und Normen sind relevant für die Arbeit. Sein/ihr Selbstverständnis und seine/ihre Fähig- und Fertigkeiten haben einen großen Anteil an der Qualität des Seminars. Ob es gelingt, hängt an verschiedenen Faktoren:

netzwerk-politische-bildung.de
Mitglieder des Netzwerk politische Bildung bieten zahlreiche Seminare zur Weiterbildung in diesem Bereich an.
siehe AnsprechpartnerInnen
  • Persönlichkeit der Lehrenden,
  • Methodenkompetenz und fachliche Stärke der Lehrenden,
  • Gruppengröße und ihre Zusammensetzung (–> Zielgruppe),
  • inhaltliche Themen- und Schwerpunktsetzung,
  • örtliche Bedingungen (Raum, Ausstattung),
  • konzeptionelle Vorbereitung und Durchführung des Seminars,
  • Interesse und Motivation der Teilnehmenden.

Doch dies soll nicht abschrecken! Viele wichtige Fertigkeiten sind erlernbar.

Wichtige Fähig- und Fertigkeiten der Lehrenden sind folgende:

  • personale Fähigkeiten,
  • soziale Fähigkeiten,
  • fachliche / didaktische Fähigkeiten,
  • methodische Kompetenz.

Quelle: Siebert 2010

Lehrende, Moderierende etc. vereinen in ihrer Person bestenfalls eine Konstruktion von stimmigen Werten, Haltungen, Verhaltensweisen und Methoden. Dazu zählen dann auch solche Fähig- und Fertigkeiten. Zu den personalen Fähigkeiten gehört eine gewisse Empathie der Lehrenden, die auch Offenheit für die Teilnehmenden anzeigt. Respekt und die Wertschätzung der Teilnehmenden sind enorm wichtig. Unter die sozialen Fähigkeiten fällt das Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse der Gruppe - diese Fähigkeiten spiegeln sich beispielsweise in einem angemessenen Feedback wider. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Der/die Lehrende sollte inhaltlich sattelfest und auf dem neuesten Stand sein; aber auch die Seminarinhalte gut strukturieren können. Dann besitzt sie/er fachliche Kompetenz. Und letztlich reichen Methoden an sich nicht aus, sondern man muss sie auch nutzen können und wollen.

Wichtig zu wissen: Nicht alle methodischen Instrumente sind zeitlos.

form follows function

Bildungsarbeit muss gut vorbereitet sein. Es wurde deutlich, dass sich dabei inhaltliche, methodische und organisatorische Fragen stellen. Das Credo form follows function (Die Form folgt der Funktion) ist eine gute Richtschnur für die Konzeption von Seminaren und anderen Veranstaltungen.

Daher steht am Anfang einer jeden Bildungsangebotsplanung die Frage: Wer lernt was warum wozu wann wo wie womit?

Rollenverständnis und -klarheit

Kenne deine eigene Rolle

Wichtig für die Vorbereitung: Sei Dir klar darüber, welche Rolle Du selbst während der Veranstaltung einnimmst.

SeminarleiterIn

Was?

Als SeminarleiterIn spielt das Leiten eine wichtige Rolle - das sagt bereits der Begriff. Man ist weniger in die Gruppe integriert.

Wie?

Wie nah oder distanziert man sich zur Gruppe verhält, muss die Seminarleitung selbst entscheiden - größere Distanz führt tendenziell zu mehr Autorität, größere Nähe eher zu gemeinschaftlicher Arbeit.

Warum?

Als Seminarleiter oder -leiterin steuert man das Geschehen stärker. Man kann eigene Ziele setzen und diese auch aktiv verfolgen.

Wann?

Seminarleitungen sind dann angebracht, wenn ein bestimmtes Ziel mit der Veranstaltung verbunden ist - beispielsweise bei inhaltlicher Positionierung. Sie bieten sich an, wenn während der Veranstaltung viel zu organisieren ist. Während die Gruppe arbeitet, entsteht Freiraum, die nächsten Sequenzen vorzubereiten.

ModeratorIn

Was?

Hauptaufgaben einer Moderatorin oder eines Moderators sind:

  • Seminar oder Diskussion strukturieren,
  • Gruppenziel im Blick behalten,
  • Verantwortung für den Prozess übernehmen,
  • ausgleichend wirken.
Wie?

Der/die ModeratorIn sollte eine neutrale Position einnehmen. In Mediationskontexten spricht man diesbezüglich von „allparteilich“ - das heißt, allen Personen gleichermaßen emphatisch zugewandt zu sein.

Das heißt auch, sich nicht mit eigenen Beiträgen in die Debatte einzubringen. Wenn in hitzigen Diskussionen ein eigener, inhaltlich wertender Wortbeitrag nötig erscheint, sollte man klarstellen, dass nun die Rolle der/s Moderierenden kurzzeitig verlassen wird. Jemand anderes sollte dann die Moderation übernehmen.

Am Ende einer moderierten Veranstaltung ist es die Aufgabe der Moderation, die Ergebnisse zu sichern bzw. auf eine Ergebnissicherung hinzuarbeiten.

Warum?

Diskussionen können, wenn sie nicht moderiert werden, schnell hitzig, unstrukturiert, chaotisch und auch verletzend werden. Wer kennt es nicht, dass man in einer Diskussion vom Hölzchen auf’s Stöckchen kommt und irgendwann niemand mehr die Ausgangsfrage im Blick hat. Eine gute Moderation kann dies vermeiden.

Wann?

Eine moderierte Sitzung / Diskussion ist insbesondere bei strittigen Themen oder einem engen Zeitplan sinnvoll.

TrainerIn

Was?

Die Rolle des/r TrainerIn unterscheidet sich nur wenig von der Seminarleitung. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Zielsetzung der Veranstaltung und der Leitungsrolle, die sich daraus ergibt.

Warum?

Beim Training steht die Ausbildung oder Schulung (auch der eigenen) im Vordergrund. Der Ansatz ist stärker vermittelnd.

Wann?

Die Form Training in der Bildungsarbeit eignet sich vor allem, wenn das Erlernen von bestimmten Fähigkeiten im Vordergrund steht - beispielsweise Rhetorik, die geübt, geübt und nochmals geübt werden muss.

TeilnehmerIn

Der Klassiker unter den Rollen ist die der Teilnehmenden.

Was?

Als TeilnehmerIn möchte man etwas lernen - das ist das Hauptziel. Teilnehmende möchten aber auch ernst genommen werden, eingebunden sein und (mit-)gestalten können.

Warum?

Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was man selbst von der Veranstaltung erwartet und wie man sich einbringen möchte.

Als erstes ist die Veranstaltungsart zu beachten: Ist es ein Seminar, ein Training, eine Diskussion oder etwas anderes? Je nach Veranstaltungsart können schon erste Konsequenzen für die eigene Rolle gezogen werden.

Wann?

Wichtig ist, sich selbst auch zurück nehmen zu können. Als TeilnehmerIn an einem Training sollte man nicht alles besser wissen. Nimmt man an einer moderierten Diskussion teil, kann man aber auch darauf hinweisen und nötigenfalls einfordern, dass der/die Morderierende neutral bleibt.