Einsteigen / Kennenlernen

Wie ein Seminar oder eine beteiligungsorientierte Veranstaltung beginnt, ist besonders wichtig! Hier trennt sich meist bereits die Spreu vom Weizen; entweder man fängt die Teilnehmenden ein oder sie verlieren die Lust. Daher sind Methoden für den (Wieder-)Einstieg sinnvoll.

Viele TeilnehmerInnen, gerade wenn sich eine Gruppe noch nicht so gut kennt, sind sehr nervös. Das kann sich negativ auf ihr Wohlbefinden im Seminar auswirken. Deshalb sollten Kennenlernspiele auf jeden Fall Bestandteil von Seminaren und Trainings sein.

Kissenwerfen

Ein schnelles aufweckendes Spiel für Zwischendurch.

So viel Zeit muss sein: 10-15min.

Gruppengröße: 8 + Personen

Was gebraucht wird: 2 große Kissen (je größer die Gruppe, desto mehr Kissen kann man verwenden), Platz für Stuhlkreis

Eignet sich für: Aufwachen (am 2. Morgen des Seminars oder nach der Mittagspause), agile Gruppen

So funktioniert’s: Die Gruppe stellt einen geschlossenen Stuhlkreis auf. Jede/r 2. ist in einem Team. Die Teams benötigen eine gerade Anzahl an Mitgliedern.

Zwei sich gegenüber sitzende Personen aus unterschiedlichen Gruppen nehmen je ein Kissen in die Hand. Sie müssen nach dem Startzeichen ihr Kissen in Uhrzeigerrichtung an ihr Teammitglied weiter reichen - und dieses dann an das nächste Teammitglied usw. Und das möglichst schnell! Ziel des Spiels ist es nämlich, dass eine Gruppe mit ihrem Kissen das Kissen der anderen überholt und somit den Sieg nach Hause trägt.

Man kann mehrere Runden spielen, dabei auch die Wurfrichtung ändern oder ähnliches. Ein- und durchgeführt wird diese Methode durch den/die Lehrperson. Dieses Aufwachspiel macht riesig Spaß. Und hinterher ist die Gruppe wach, versprochen!

Was sagt ein Schlüssel aus?

Wer fremde Schlüssel an seinem/ihrem Bund trägt, sollte dieses Spiel lieber auslassen. :-D

So viel Zeit muss sein: 10-25min.

Gruppengröße: 2-15 Personen

Was gebraucht wird: bestenfalls Platz für Stuhlkreis

Eignet sich für: Kennenlernen; Gruppen, die vertrauensvoll miteinander arbeiten wollen (müssen sich jedoch nicht kennen)

So funktioniert’s: Nacheinander erzählen sich die Teilnehmenden gegenseitig, welche Dinge sich an ihrem Schlüsselbund befinden. Sie werden gebeten, diese Darstellung mit einem Ereignis am heutigen Tag zu verbinden.

Dabei lernen sich die Teilnehmenden auf eine besondere Weise kennen und erfahren direkt am Anfang Dinge, die sonst verschwiegen blieben. Ein Beispiel: Wenn jemand den Schlüssel vom Büro der Falken dabei hat können sich daraus gleich spannende Gespräche ergeben; auf jeden Fall aber wissen die Teilnehmenden, dass der/die SchlüsselbesitzerIn dort aktiv ist.

Der/die Seminarleitung führt in die Methode ein.

Zauberwald

Dieses Aufwach-Spiel ist unter verschiedenen Namen bekannt. Gemein ist allen, dass Bewegung zum Programm gehört.

So viel Zeit muss sein: 30min.

Gruppengröße: 8+ Personen

Was gebraucht wird: viel Platz draußen

Eignet sich für: Aufwachen, agile Gruppen

So funktioniert’s: Angelegt ist dieses Aufwachspiel an dem Kinderspiel „Schnick Schnack Schnuck“ oder „Stein Schere Papier“ - mit dem Unterschied, dass hier die Menschen als Fingerzeig dienen.

Die Gruppe teilt sich in 2 Teams auf, die sich einander gegenüber aufstellen. Dabei sollte ein Abstand von ca. 15 Meter zwischen ihnen sein.

Es gibt 3 Figuren, die eingenommen werden können:

  • den Zwerg, der durch das Imitieren eines kleinen Huts über dem Kopf dargestellt wird.
  • den Zauberer, der dadurch dargestellt wird, dass man einen Zauberstab imitiert, ihn auf die gegnerische Gruppe richtet und „bzzzzzz“ ausruft.
  • den Riesen, der durch das in-die-Höhe-Strecken der Arme dargestellt wird.

Wie im Kleinen, so im Großen gibt es Regeln, wer wen schlägt:

  • Der Zauberer schlägt den Riesen, denn dieser ist so ungelenk, dass er dem Zauberstabsausstoß nicht entrinnen kann!
  • Der Riese schlägt wiederum den Zwerg, denn dieser ist einfach zu klein, um gegen den Riesen zu bestehen.
  • Der Zwerg jedoch, der schlägt den Zauberer, weil er so klein und gewitzt ist, dass er sich vom Zauberstab nicht treffen lässt!

Beide Teams beraten sich und nach Aufforderung des/r Leitenden müssen alle Mitglieder eines Teams eine (!) Figur darstellen. Je nachdem, welche Gruppe obsiegt, rennt diese auf die andere zu und versucht, so viele wie möglich der gegnerischen Gruppe zu fangen. Bei Berührung wechseln diese dann nämlich zum anderen Team.

Zuvor verständigen sich die Teams auf jeweilige sichere Zonen, die etwa 20 Meter hinter dem Gruppenstart liegen. Wenn Teilnehmende diese sichere Zone erreichen, so können sie nicht mehr gefangen werden.

Das Ende des Spiels ist die Auflösung einer der beiden Gruppen. Ein- und Durchgeführt wird diese Methode durch den/die Lehrperson (insbesondere das Anzählen, wann die Figuren gezeigt werden sollen).

Reise nach Jerusalem mal anders

Dieses Spiel ist zwar erweckend und eignet sich daher sehr nach einer Pause; im Grunde ist es jedoch eine inhaltliche Vermittlungsmethode. Sie eignet sich vor allem, um Selektionsmechanismen aufzuzeigen.

So viel Zeit muss sein: 30min.

Gruppengröße: 5-15 Personen

Was gebraucht wird: Platz für Stühle, vorbereitete Platzhalter, Musik

Eignet sich für: Gruppenzusammengehörigkeit, inhaltliche Schulung nach einer Pause

So funktioniert’s: Das Grundgerüst ist das der üblichen Reise nach Jerusalem: Entsprechend der Zahl der Teilnehmenden werden Stühle in einer 2er-Reihe mit dem Rücken aneinander gestellt. Die Teilnehmenden laufen zu abspielender Musik um die Stuhlreihe und müssen sich schnellstmöglich einen Platz suchen, sobald die Musik aus geht (das steuert die Seminarleitung).

Hier ist der Unterschied: Während die Teilnehmenden um die Stühle laufen, wird nicht, wie üblich, ein Stuhl beiseite genommen, sondern ein Platz durch das Auflegen eines DIN A4-Papiers belegt. Auf diesen Blättern stehen einzelne Selektionshürden, die zum Thema passen (bspw. fehlendes Geld für Hausaufgabenhilfe im Elternhaushalt wenn es um Bildungsaufstieg geht).

Das Auflegen dieser Papiere muss natürlich gut vermittelt werden und in einen Argumentationsleitfaden eingebunden werden - nur so funktioniert’s!

Man muss dieses Spiel nicht so lange fortführen, bis nur noch eine Person einen Platz ergattert. Es reicht auch, wenn nur noch sehr wenige Plätze erhalten - schließlich ist das bei Selektionsmechanismen auch so.

Coktail-Party

Aus: Siebert 2010

So viel Zeit muss sein: 20min.

Gruppengröße: 8+ Personen

Was gebraucht wird: etwas Platz zum freien Bewegen

Eignet sich für: Gruppen, deren TeilnehmerInnen sich nicht oder kaum kennen; Kennenlernen

So funktioniert’s: Die Methode wird erläutert. Die TeilnehmerInnen und der/die Moderierende laufen entspannt im Raum herum. Auf ein Zeichen (Händeklatschen, Klingeln o.ä.) wenden sich die Teilnehmenden ihrem jeweils gerade nebenstehenden Gegenüber zu. Sie begrüßen sich und sollten folgende Informationen voneinander erhalten: Name, Berufstätigkeit und Erwartungen / Interessen am Seminar. Nach ca. einer Minute gibt es wieder das Audiosignal - und schon geht es weiter bis zum nächsten Klatschen.

Auf diese Weise lernen sich die Teilnehmenden und die Lehrperson locker kennen und erfahren bereits Erwartungen und einige Hintergründe.

PartnerIn-Interview

Ein Klassiker der Kennenlern-Methoden!

So viel Zeit muss sein: 20-45min.

Gruppengröße: 6-30 Personen

Was gebraucht wird: Raum für 2er-Gespräche

Eignet sich für: Gruppen, deren TeilnehmerInnen sich nicht oder kaum kennen; eher ältere Zielgruppen

So funktioniert’s: Die Gruppe wird in 2er-Teams aufgeteilt. Die Paare sollten sich nicht selbst suchen. Eine Möglichkeit für die Aufteilung ist die Zuweisung durch Memory-Karten - von denen es ja immer nur 2 gibt -, die aus einem Sack gezogen werden.

Wenn sich die Paare gefunden haben, nehmen sie sich 10 Minuten (pro Person je 5 Minuten) Zeit, sich kennenzulernen. Auch dies sollte durch Rahmenfragen gesteuert werden. Je nach Inhalt und Ziel des Seminars können diese speziell zugeschnitten sein.

Hier ein paar mögliche Fragen am Beispiel eines Seminars zur sozialdemokratischen Geschichte:

  • wie ist Dein Name?
  • woher kommst Du?
  • was machst Du in Deiner Freizeit?
  • wie bist Du (damals) auf die SPD aufmerksam geworden?
  • welcher, findest Du, ist der spannendste Aspekt der sozialdemokratischen Geschichte und warum?

Möglich ist auch die Verbindung der Fragen mit den Erwartungen an das Seminar / die Veranstaltung. So kann die Seminarleitung auch die Erwartungshaltung der Gruppe erfahren.

Die 2er-Gruppen interviewen sich gegenseitig. Anschließend stellen alle ihre/n jeweiligen Partner oder Partnerin der Gruppe vor. Dadurch werden Informationen der anderen Person besser verinnerlicht.