Wenn mehr Zeit zu Verfügung steht

Bei der Planung von Bildungsarbeit können auch Alternativen zu den eher zeitlich kurzen Möglichkeiten, wie sie oben vorgestellt wurden, angeboten werden.

Insbesondere bei großen, komplexen Themenfeldern bieten sich Methoden an, die mehr Zeit und damit eine eingehendere Beschäftigung mit den Inhalten zulassen.

Open Space

Open Space ist eine sehr moderne und neue Methode. Sie wird gern auf Kongressen und öffentlichen Veranstaltungen genutzt, eignet sich aber auch für UB-Konferenzen, große Ortsvereinstagungen, Klausurwochenenden etc. Genauer nachzulesen in Siebert 2010

So viel Zeit muss sein: 1/2 Tag - 3 Tage

Gruppengröße: 9+ Personen

Was gebraucht wird: mehrere Räume mit Seminarausstattung (Metaplanwand etc.), TeilnehmerInnen, die Referate halten

Eignet sich für: Veränderungsprozesse, Beteiligungsorientierung, fehlende ReferentInnen

So funktioniert’s: Nach einem oder mehreren Referaten (die auch aus dem Plenum selbst kommen können) diskutieren und entscheiden die Teilnehmenden selbst, zu welchem Thema oder Teilaspekt sie in eine Gruppenarbeitsphase gehen. Dabei können sie eine Zeit-Raum-Matrix aufstellen und verschiedene Themen nochmals aufgreifen.

Ob in den Gruppen ExpertInnen zu Rate gezogen werden sollen, entscheiden die Teilnehmenden ebenfalls selbst.

Die Gruppenergebnisse werden auf Metaplan-Wänden zusammengetragen und am Ende gemeinsam im Plenum vorgestellt und diskutiert. Auch die Methode, auf welche Weise die Zusammenstellung erfolgt, entscheiden die Teilnehmenden. Angebote können und sollten jedoch gemacht werden.

Problematisch hierbei können sehr dominante TeilnehmerInnen sein, die die Diskussionen beherrschen und Entscheidungen durchdrücken.

Planspiel

Hier lernt man Interessen zu vertreten, Kompromisse zu finden und Entscheidungen zu treffen. Aus und genauer nachzulesen in: Siebert 2010

So viel Zeit muss sein: mind. 1 Tag

Gruppengröße: 6-40 Personen

Was gebraucht wird: mehrere Räume mit Seminarutensilien, gute Vorbereitung der Lehrenden/ SeminarleiterInnen, Internetzugang zur Recherche

Eignet sich für: Entwickeln von neuen Kampagnen, Verstehen komplexer Politikthemen

So funktioniert’s: Das Thema der Planspiels muss vorher festgelegt werden. Es geht darum, eine realistische Aufgabe fiktiv zu bearbeiten. Die Ergebnisse dessen können später auch wirklich und leichter in die Tat umgesetzt werden. Es sollte einen vorstrukturierten Ablaufplan geben, der in Spielphasen untergliedert ist. Dabei gibt es Phasen im Plenum, der Information und auch Kleingruppenarbeit.

Am Beispiel eines Planspiels zur Einführung von flächendeckendem Mindestlohn lassen sich die Phasen erläutern:

  • Phase 1: Informationen sammeln und ordnen.
  • Phase 2: die Gruppe wird in kleinere Gruppen geteilt: ArbeitgebervertreterInnen, GewerkschaftsvertreterInnen, Vertretung der Bundesregierung, Vertretung der verschiedenen Fraktionen, VertreterInnen der Wirtschaft etc.
  • Phase 3: die Untergruppen erarbeiten erste Vorschlagsentwürfe, die sie den anderen zu Verfügung stellen.
  • Phase 4: Interessenausgleich und Kompromisssuche
  • Phase 5: Eine Steuerungsgruppe ermittelt, welche Aspekte konsensfähig und welche weiterhin kontrovers sind
  • Phase 6: Auswertung und Evaluation; ggf. weiteres Vorgehen.

Planspiele können auch von Profis durchgeführt werden. Das Wissen darum, welche Materialien zwischenzeitlich gebraucht werden, sind meist Erfahrungswerte.