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Teil I - Bildungsauftrag

1.1. Warum politische Bildung wichtig ist

- Eine Argumentationshilfe -

Test

Bildungsarbeit macht Spaß. Sie ist anstrengend. Und: Sie ist wichtig. Wieso?

Eine Ortsvereinssitzung. Die Vorsitzende berichtet, dass die Regierung das Wirtschaftssystem revolutionieren will. Kernpunkt: Die Wirtschaft soll den Menschen dienen, nicht länger umgekehrt.

Eine solche Befragung wäre derzeit verfassungsrechtlich nicht möglich.

Die Fraktionen haben sich auf eine Volksbefragung geeinigt, weil solch ein Systemwechsel eines gesellschaftlichen Konsens‘ bedarf. Ein Ortsvereinsmitglied ruft: „Endlich! Das wurde ja auch mal Zeit. Das müssen wir unbedingt unterstützen.“

Die Frage ist nur wie? - Wie werden wir inhaltlich sattelfest? Wie überzeugen wir die Menschen? Wie vermitteln wir ein komplexes Wirtschaftssystem? Welche Veranstaltungs- oder Aktionsart ist die Beste?

„Puh, das klingt nach Arbeit!“ - Stimmt! Aber: Es ist Arbeit, die sich lohnt!

Gesellschaftliche Teilhabe über Bildung

Ziel politischer Tätigkeit ist es, zu gestalten, zu verändern und zu überzeugen. Dazu leistet Bildungsarbeit einen entscheidenden Beitrag.

Dieses Handbuch hilft dabei, politische Bildungsarbeit effektiv, ansprechend und produktiv zu gestalten.

bitte beachten!

Im Folgenden wollen wir Anregungen und Hilfestellungen für beteiligungsorientierte Bildungsarbeit bieten. Dieses Handbuch erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bietet Anreize zur ersten Anwendung und weiteren Vertiefung.

Die SPD ist seit 1863 die Partei des sozialen und gesellschaftlichen Aufstiegs. Eine Demokratie lebt davon, dass die Menschen mitmachen; davon, dass sich Menschen für ihre eigenen und gemeinsamen Interessen einsetzen. Die SPD ist auch die Partei, die sich für die Freiheit der Menschen, dies zu tun, seit jeher einsetzt. Der Schlüssel für diese demokratische Freiheit und die Ermächtigung des/r Einzelnen, sich für die eigenen Angelegenheiten einzusetzen, war und ist Bildung - und somit auch Bildungsarbeit.

Bildungsarbeit hat die Aufgaben:

  • Bildungsräume zu schaffen,
  • Inhalte zu erarbeiten,
  • Menschen darin zu bestärken, sich politisch einzubringen,
  • einen methodischen Werkzeugkoffer anzubieten.

Damit versetzen sich Menschen in die Lage, mit den Wäg- und Unwägbarkeiten des Lebens umgehen und diese gestalten zu können.

Bildungsauftrag von Parteien, Art. 21 GG
Organisationsstatut

Gesellschaften wandeln sich. In einer so schnelllebigen Zeit verändert sich Kommunikation und auch das, was Menschen motiviert. Da könnte man fragen „wozu denn politische Bildungsarbeit?“ Es stimmt, die Ansprüche verändern sich. Doch und gerade deswegen hat der Bildungsauftrag von Parteien Verfassungsrang. Die SPD hat sich auch selbst zur aktiven Weiterbildung ihrer Mitglieder verpflichtet.

bitte beachten!

Menschen (Weiter-)Bildung zu ermöglichen, ist eine ständige Aufgabe.

Bildungsarbeit in Parteien ist notwendig,

  • um Räume zu bieten, in denen kreativ mit und um Ideen gerungen werden kann,
  • damit die aktiven Mitglieder selbst inhaltlich fit bleiben,
  • damit sich die Mitglieder auch persönlich weiterbilden und -entwickeln können,
  • um Verfahrensweisen zu überdenken und neue Methoden auszuprobieren.

Vier Kriterien zeigen den Weg, was Bildungsarbeit beachten muss:

  • Ziele und Inhalte (dabei können Lehrende und Teilnehmende unterschiedliche Interessen haben)
  • Zielgruppe, mit der gearbeitet wird,
  • Lehrende / SeminarleiterIn / ModeratorIn / …
  • Rahmenbedingungen (Räumlichkeiten etc.)
Was?

Das Innere zählt

Sich zu bilden benötigt, sich mit verschiedenen Inhalten, Meinungen und Interessen auseinanderzusetzen. Dadurch können wir unseren eigenen Standpunkt reflektieren und auf neue Ideen kommen.

Bildungsarbeit soll gleichzeitig Interesse wecken und Verwirrung stiften.

Verwirrt sein ist wichtig? Ja, Menschen machen sich Positionen, Inhalte und Situationen nur so zu Eigen. Du musst zunächst und zwischendurch gefesselt sein, Dich mit dem Inhalt auseinandersetzen müssen, damit Du ihn richtig erschließen kannst. Und dazu gehört es eben auch, ab und an verdutzt vor ihm zu stehen.

Gute Methoden ersetzen keine Inhalte.

Am Beispiel der sozialdemokratischen Geschichte können die Werte, für die wir stehen, vermittelt werden - außerdem ist die Geschichte der Sozialdemokratie äußerst spannend. Auch aktuelle Politikthemen eignen sich zur Meinungsbildung und -festigung. Nicht zuletzt wollen wir unsere Partei weiter entwickeln. Das geht nur, wenn alle mitmachen und auch verstehen, was und wie sie etwas verändern können.

Worin?

Der Rahmen macht die Musik

Zur (partei-)politischen Bildungsarbeit gehört die Beschäftigung mit Organisationsstrukturen der Partei und Gliederungsebenen. Dieses Wissen qualifiziert für verschiedene Parteiämter. Und es hilft Neumitgliedern, sich in der SPD zurecht zu finden. Für die politische Praxis sind solche Kenntnisse notwendig und sie bereichern das eigene Leben. Im Miteinander in der SPD erwirbt sich dieses Wissen am Besten.

Die Bildungsarbeit besteht dann auch und insbesondere darin, im gemeinsamen Arbeiten zu lernen, neue Ideen zu finden und die Gruppe zu stärken. Die SPD lebt von ihren Mitgliedern und die Parteiarbeit in den Gemeinden und Städten ist der zentrale politische Schauplatz. Damit alle Erfahrungen und Gedanken mit einfließen können, brauchen wir eine Diskussionskultur, die es jedem und jeder ermöglicht, sich einzubringen.

Dabei spielen organisatorische Fragen eine größere Rolle als ihnen meist zugestanden wird. Welche Veranstaltungsformen gibt es, welche ist die richtige für das eigene Ziel und was ist alles zu bedenken - wer weiß das schon aus dem Stand heraus? Oder welche Koordinationsmöglichkeiten und -notwendigkeiten vorhanden sind und wie man Zeitmanagement am besten erlernt - auch dies kann man sich über Bildungsarbeit aneignen.

Wie?

Vom „Wie“ zum „So“

Auch für die Rede gilt: Es ist noch kein/e MeisterIn vom Himmel gefallen.

Bildungsarbeit ist aber auch Training für die politische Auseinandersetzung. Die Kunst der Rhetorik müssen fast alle erst lernen. Dabei ist sie nach wie vor eine wichtige Fertigkeit im Umgang mit der Öffentlichkeit. Es reicht meist nicht aus, die besseren Argumente zu haben, man muss sie auch rüberbringen können.

Es kommt nicht nur darauf an, Recht zu haben, sondern auch Recht zu bekommen.

Dabei helfen oft einfache Techniken. Aber auch zu verstehen, wie Gruppen ticken ist hilfreich. Diese und andere Methoden kann man über innerparteiliche Bildungsarbeit gut vermitteln.

Der Methoden-Bereich wird stetig größer, unter anderem da die Anforderungen an den und die Einzelne beständig wachsen. Dies ist der Bereich, der für jede und jeden auch über die Parteiarbeit hinaus große Bereicherungen birgt. Die methodischen und sozialen Fähigkeiten, die man sich durch aktive, ehrenamtliche Parteiarbeit aneignet, sind für den und die Einzelne Gold wert - solche Erfahrungen prägen und bereichern für das. Und die gezielte methodische Weiterbildung unterstützt diesen Prozess zusätzlich.